Perspektiven kommunaler Biogastechnologien

„Abfälle kennen keine Verwaltungsgrenzen. Wir treten buchstäblich auf dem herum, was unseren Kommunen Energie und weiteren Nutzen bringen könnte“, sagte Oleksandr Tkachenko, amtierender Bürgermeister von Truskawez.

Am 7. Oktober fand die Veranstaltung „Perspektiven kommunaler Biogastechnologien“statt. Sie bildete die Abschlusskonferenz des Pilotprojekts „Gemeinsam die Zukunft mit Energie versorgen: Innovationen bei der Biogasnutzung durch interkommunale Zusammenarbeit in Truskawez, Boryslaw und Drohobytsch“.

Die Konferenz zog Bilanz des Pilotprojekts und diskutierte die Ergebnisse der vorläufigen technisch-wirtschaftlichen Analyse der Biogaserzeugung in den drei Kommunen. Zudem wurden nächste Schritte zur langfristigen Fortführung der Initiative festgelegt.

Vorträge hielten Fachleute des UABIO-Mitglieds und Beratungsunternehmens „Biomass-Carbon“: Georgii Geletukha, Petro Kucheruk und Natalia Prozorova.

Sie präsentierten die Bewertung der Rohstoffbasis und die vorläufigen Machbarkeitsstudien für Biogasanlagen mit landwirtschaftlichen Substraten und Siedlungsabfällen in Truskawez, Boryslaw und Drohobytsch. Weitere Themen waren Finanzierungsquellen, ukrainische Praxisbeispiele und mögliche Szenarien für die nächste Finanzierungsphase. Nachfolgend finden Sie ihre Präsentationen und zentrale Aussagen.

Ablauf der Veranstaltung

Die Begrüßungsworte sprachen:

  • Ihor Jaworskyj, Bürgermeister von Boryslaw.
  • Oleksandr Tkachenko, amtierender Bürgermeister von Truskawez.

Anastasiia Tokunova, Koordinatorin für Regionalentwicklung bei UNIDO, moderierte die Konferenz und stellte Inhalt und Fortschritte des Pilotprojekts vor. Die Initiative schafft institutionelles Wissen und technische Voraussetzungen für Biogasprojekte im Einklang mit ukrainischem Recht und den Entwicklungsplänen.

Anastasiia Tokunova erläuterte auch die Studienreise „Biogas auf kommunaler Ebene — Erfahrungen aus Deutschland“. Dabei wurden Biogasanlagen in Wathlingen, Lachendorf und Adelheidsdorf besucht. Ihre Eindrücke schilderten deutsche und ukrainische Vertreter:

  • Jonas Bauer, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Bauen und Klimaschutzmanager der Samtgemeinde Wathlingen;
  • Myron Zaitler, stellvertretender Bürgermeister von Boryslaw;
  • Taras Perkhun, leitender Fachmann der Abteilung für internationale Zusammenarbeit und Energiemanagement der Stadtverwaltung Drohobytsch.

Kernaussagen und Präsentationen von Biomass-Carbon

Kompetenzaufbau: Ergebnisse der Biogasschulungen für Truskawez, Boryslaw und Drohobytsch | Georgii Geletukha

Kompetenzaufbau: Ergebnisse der Biogasschulungen für Truskawez, Boryslaw und Drohobytsch | Georgii Geletukha

„Wir führten fünf Onlineveranstaltungen in zwei Modulen durch: Biogastechnologien und Förderanträge. Teilgenommen haben stellvertretende Bürgermeister, Dorfvorsteher, Fachabteilungen, Betreiber der Abfall-, Wärme- und Wasserversorgung sowie landwirtschaftliche Erzeuger — also die künftigen Entscheidungsträger, Substratlieferanten und Anlagenbetreiber.“

„In einer Befragung vor Schulungsbeginn bewerteten 47 % ihre Kenntnisse zur anaeroben Vergärung und 68 % ihr Wissen über Gärreste mit der niedrigsten Punktzahl. Das zeigte geringe Fachkenntnisse. Die Tests nach den Vorträgen belegten jedoch einen Wissenszuwachs: Der Anteil richtiger Antworten stieg.“

Weitere Informationen in der Präsentation von Georgii Geletukha

Ergebnisse der vorläufigen technisch-wirtschaftlichen Bewertung eines Biogasprojekts mit Siedlungsabfällen in Boryslaw, Drohobytsch und Truskawez | Petro Kucheruk

Ergebnisse der vorläufigen technisch-wirtschaftlichen Bewertung eines Biogasprojekts mit Siedlungsabfällen in Boryslaw, Drohobytsch und Truskawez | Petro Kucheruk

Der Experte stellte die Bewertung der Rohstoffbasis und die vorläufige Machbarkeitsstudie für Biogasanlagen der drei Kommunen vor.

„Die Obergrenze des Gesamtpotenzials beträgt rund 9 Mio. Normkubikmeter Methan jährlich aus drei Substratströmen: landwirtschaftliche Rohstoffe liefern 2,41–5,75 Mio. Nm³, Siedlungsabfälle 1,98–2,97 Mio. Nm³ und Klärschlamm rund 0,32 Mio. Nm³. Da die Quellen räumlich getrennt sind, handelt es sich um die Summe alternativer Projekte und nicht um die Kapazität einer einzigen Anlage.“

„Die Substratbasis reicht für zwei unabhängige Projekte: einen Agrarcluster mit Gülle und Geflügelmist sowie eine Anlage für Siedlungsabfälle. Klärschlamm kommt nur als Co-Substrat infrage. Bei Agrarbiogas ist die Größe entscheidend: Nur das Konzept mit 1,55 MW elektrischer Leistung, das einen Schweinebetrieb und Geflügelfarmen verbindet, erreicht bei einem Day-Ahead-Preis von 6.500 UAH/MWh ohne Mehrwertsteuer einen positiven Kapitalwert. Bei 9,5 UAH/kWh ohne Mehrwertsteuer sind alle drei Konzepte rentabel. Bei der Abfallanlage entscheiden institutionelle Faktoren: Behandlungsentgelte von 280.000 Euro jährlich, Wärmeabsatz und das Tempo der Bioabfalltrennung. Benötigt wird eine vergünstigte oder zuschussbasierte Kofinanzierung.“

Weitere Informationen in der Präsentation von Petro Kucheruk

Finanzierungsmöglichkeiten für Biogasprojekte: Praxis- und Finanzierungsbeispiele aus der Ukraine und anderen Ländern | Georgii Geletukha

Finanzierungsmöglichkeiten für Biogasprojekte: Praxis- und Finanzierungsbeispiele aus der Ukraine und anderen Ländern | Georgii Geletukha

„Finanzierungsprogramme sollten in offiziellen Quellen gesucht werden: auf EU-Portalen für LIFE, Horizont Europa und CBE JU, bei internationalen Finanzinstitutionen wie NEFCO, EBWE, EIB und E5P sowie auf ukrainischen Regierungsportalen und in DREAM mit dem einheitlichen Projektportfolio SPP. Ebenso wichtig sind Fachverbände, berufliche Netzwerke, Gebernewsletter, regionale Programme, lokale Partnerschaften und der direkte Austausch mit Finanzinstituten.“

So organisieren Sie die Suche nach Ausschreibungen und Partnern sowie die Antragstellung systematisch:

  1. Ein bis zwei Mitarbeitende mit der laufenden Beobachtung von Programmen beauftragen.
  2. Aktuelle Arbeitsprogramme herunterladen und Themen markieren, die zum kommunalen Bedarf passen.
  3. Eigene Stärken bestimmen und den konkreten Beitrag der Kommune zum Projekt formulieren.
  4. Passende Ausschreibungen anhand der Problemstellung und der kommunalen Rolle auswählen.
  5. Die eigene Projektrolle vor der Kontaktaufnahme mit Partnern festlegen.
  6. Frühzeitig ein Konsortium suchen.
  7. Nur mit ausreichenden internen Ressourcen einsteigen. Ein Antrag braucht Zeit für Daten, Unterstützungsschreiben, Budget, Pilotbeschreibung und Rollenabstimmung. Die Kommune muss vorab klären, wer die Unterlagen vorbereitet und freigibt.
  8. Regelmäßig Anträge stellen und nicht auf eine einzige Bewerbung setzen.

Weitere Informationen in der Präsentation von Georgii Geletukha

Mögliche Finanzierungsszenarien zur Umsetzung der Biogasidee nach Abschluss des Pilotprojekts | Natalia Prozorova

Mögliche Finanzierungsszenarien zur Umsetzung der Biogasidee nach Abschluss des Pilotprojekts | Natalia Prozorova

„Der interkommunale Antrag von Boryslaw, Truskawez und Drohobytsch dient der Prüfung und Finanzierungsstrukturierung eines vollständigen Investitionsprojekts. Federführend ist der Stadtrat Boryslaw; Partner sind die Stadträte Truskawez und Drohobytsch. Geplant sind die getrennte Erfassung organischer Siedlungsabfälle, Logistik, eine Biogasanlage und die Biogasnutzung. Vorgesehen sind jährlich bis zu 20.000 Tonnen organische Abfälle, 1,4–1,5 Mio. Nm³ Methan und bis zu 0,75 MW elektrische Leistung. Das Gesamtbudget beträgt 9,8 Mio. Euro.“

„Der Antrag ist als vollständiges Investitionsprojekt mit fünf Bausteinen aufgebaut: Begründung, institutionelles Modell, technisches Konzept, Investitionspaket sowie Nachhaltigkeit und Risiken. Zunächst sind eine vollständige Machbarkeitsstudie, eine Umwelt- und Sozialprüfung, ein Finanzmodell und ein Investitionsplan erforderlich.“

Weitere Informationen in der Präsentation von Natalia Prozorova


Die Konferenz fand im Rahmen des Projekts „Grüner industrieller Wiederaufbau durch kommunale Entwicklung in der Ukraine“ statt. Es wird umgesetzt von der Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (UNIDO) im Rahmen ihres Programms zum grünen industriellen Wiederaufbau der Ukraine 2024–2028. Die Finanzierung erfolgt durch die deutsche Bundesregierung über das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Wirtschaft und Umwelt der Ukraine.

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